"Tatort", "Ostwind", "Der letzte Bulle"

Mal Arzt, mal Leiche: Kasseler spielt in etlichen Fernseh- und Kinofilmen als Komparse mit 

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Er schlüpft gern in neue Rollen: Peter-Michael Liebehenz als Schaffner in dem Film „Eine Frau am Bauhaus“. 

2018 stand Peter-Michael Liebenhenz aus Kassel als Komparse für den Kasseler Tatort vor der Kamera - und hat Blut geleckt. Seitdem hat er in mehreren großen TV- und Kinoproduktionen mitgespielt.

Der 66-jährige Pensionär kann Journalist, Polizist, Arzt und Leiche. Und will noch viel mehr ausprobieren. Seine neue Leidenschaft, in verschiedene Rollen zu schlüpfen, hat Peter-Michael Liebehenz im vergangenen Sommer entdeckt. Und seiner Frau Monika zu verdanken. Die schlug ihm nämlich vor, sich als Komparse für den Tatort des Hessischen Rundfunks (HR) zu bewerben.

Gesagt, getan. Nur drei Tage, nachdem er die Bewerbung abgeschickt hatte, bekam der 66-jährige Liebehenz, der auf der Kasseler Marbachshöhe lebt, einen Anruf. Der HR wollte ihn.

In dem „Tatort“, der am 7. April dieses Jahres unter dem Titel „Das Monster von Kassel“ ausgestrahlt wird, spielt Liebehenz einen Reporter. Im Fernsehen wird er wohl vor einer Villa am Brasselsberg zu sehen sein, in der der mutmaßliche Mörder in diesem Krimi lebt und vor dem Polizeipräsidium Nordhessen. Drei Tage lang war der 66-Jährige, der bis zu seiner Pensionierung in der Agentur für Arbeit tätig war, bei den Dreharbeiten dabei. Das habe ihm so viel Spaß gemacht, dass er sich seitdem immer wieder als Komparse für verschiedene TV- und Kinoproduktionen wie  „Ostwind“ und „Familie Dr. Kleist“ beworben hat.

Er schlüpft gern in neue Rollen: Peter-Michael Liebehenz als Schaffner in dem Film „Eine Frau am Bauhaus“. 

Mit Erfolg: Seit Sommer 2018 war Liebehenz bereits an mehreren Filmsets als Komparse engagiert. So spielte er zum Beispiel einen Arzt in der ARD-Serie „Familie Dr. Kleist“, einen Polizisten in der Arzt-Serie „In aller Freundschaft“, einen Schaffner in dem historischen Film „Eine Frau am Bauhaus“ mit Anna Maria Mühe. Bei den Dreharbeiten für den Kinofilm zur Sat1-Serie „Der letzte Bulle“ wurde nicht nur Liebehenz engagiert. Auch sein alter Porsche 944 (Baujahr 1985) kam zum Einsatz.

„Bei den Dreharbeiten lernt man viele neue Leute kennen“, erzählt Liebehenz. Es gebe eine richtige Komparsenszene. Während Liebehenz die Komparserie als Hobby betrachtet, gebe es Menschen, die davon lebten. Die wohnten aber in Städten wie Hamburg, Köln oder Berlin, wo viel gedreht wird.

Apropos Städte: Durch die Dreharbeiten haben Liebehenz und seine Frau, die ihn immer begleitet, schon einige neue kennengelernt.

Natürlich hat er auch schon einige bekannte Schauspieler näher erlebt. Die beiden Frankfurter Tatort-Kommissare, die von Margarita Broich und Wolfram Koch gespielt werden, bezeichnet Liebehenz als sehr authentisch und nett. Die beiden hat er nicht nur bei den Dreharbeiten in Kassel erlebt.

Weil er sich als Komparse offenbar gut anstellt, wurde er kürzlich vom HR für eine weitere Rolle im nächsten Frankfurter Tatort mit dem Arbeitstitel „Der falsche Hase“ engagiert. Eigentlich sollte der 66-Jährige, der für Rollen zwischen 50 und Anfang 60 eingesetzt wird, einen Mitarbeiter der Spurensicherung spielen. Aber dann fehlte der Schauspieler, der die Leiche darstellen sollte. Da Liebehenz die gleiche Figur hat, sprang er ein. Das war bislang seine schwierigste Rolle.

Aus unserem Videoarchiv: Tatortdreh in Kassel

Zwar waren nur seine Hände und Füße zu sehen, da der Rest des Körpers mit einem Leichentuch abgedeckt war. Aber unter dem Tuch habe er keine Luft bekommen und als Leiche durfte er sich selbstverständlich nicht bewegen. Hinzu kam, dass er in einer Blutlache hinter einer Tür lag. Jedes Mal, wenn die Schauspieler die Tür geöffnet hätten, habe er diese in den Rücken bekommen. „Das war nicht angenehm.“

Auch wenn der pensionierte Beamte in seinem Beruf etwas ganz anderes gemacht hat, so ist ihm das Showbusiness nicht ganz fremd. Früher hat Liebehenz auf der „Kleinen Bühne 70“ in Kassel gestanden. Zudem hat er als DJ im legendären „Club 21“ in Kassel gearbeitet. Er stand auch schon mit der Gruppe „Boney M.“ in Erfurt auf der Bühne. Gibt es eine Traumrolle, die er gern spielen würde? „Ich nehme, was kommt, ich bin für alles offen“, sagt der Vater eines erwachsenen Sohnes. Kürzlich hat er mit Schauspielerin Janine Kunze einen Werbespot für das Möbelhaus „Poco“ in Fuldabrück gedreht. Er kann sich aber nicht vorstellen, in „kitschigen Nachmittags-Serien“ wie „Rote Rosen“ mitzuspielen. Muss er auch nicht: Gerade hat Liebehenz eine Anfrage bekommen, ob er in der neuen Netflix-Produktion „Skylines“ mit Richy Müller einen Geldeintreiber spielen will. Wenn er zustimmt, fährt er am Montag mit seiner Frau nach Frankfurt.

Hintergrund: 40 bis 70 Euro pro Tag

Als Komparse kann man nicht reich werden. Die Tagesgagen, die in der Branche üblich sind, liegen für bis zu zehn Stunden bei etwa 40 bis 70 Euro. Zuschläge sind unter Umständen möglich. Hinzu kommt, dass man die Spesen meist nicht ersetzt bekommt. Wer also lange Anfahrtswege oder gar Übernachtungen am Produktionsort auf sich nehmen muss, sollte sich überlegen, ob sich diese Tätigkeit für ihn lohnt.

Im Internet gibt es zahlreiche Adressen, bei denen man sich bewerben kann, zum Beispiel als Komparse beim Hessischen Rundfunk. Wer sich dort bewerben will, findet nähere Infos unter www.hr-fernsehen.de/service/komparsen

Komparsen, Edelkomparsen, Statisten und Kleindarsteller für nationale und internationale Film-, TV- und Werbeproduktionen werden zudem über eine bundesweite Komparsen-Vermittlung gibt es unter www.komparsen-gesucht.de vermittelt.

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