"Ein Kulturgut, das alle Kinder kennenlernen sollten"

Nikolaus und Weihnachten im Kindergarten: Verlieren christliche Feste an Bedeutung?

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Kehrt der Weihnachtsmann Kindergärten und Kitas den Rücken zu? Viele kritisieren, dass christliche Feste in Kitas und anderen Einrichtungen keine große Rolle mehr spielen.

Ein katholischer Theologe warnt: In immer weniger Kindergärten wird angeblich Nikolaus und Weihnachten gefeiert. Aber stimmt das? Und warum regt dieses Thema viele Menschen so auf?

Glaubt man Albert Biesinger, sind Nikolaus und Weihnachten in Gefahr. Der katholische Theologe hat gerade ein Interview gegeben, in dem es heißt, dass immer weniger Kindergärten christliche Feste feierten. Sankt Martin, Nikolaus, Weihnachten und Ostern würden nicht mehr richtig in den Alltag einbezogen. Der Grund: Viele Eltern wollten "nicht so viel Religion" für ihre Kinder. Selbst kirchliche Einrichtungen gerieten unter Druck. Mancherorts würde gar diskutiert, "Gott aus der Kita ganz draußen zu lassen."

Welche Folgen das haben kann, wurde 2016 in der Kasseler Kita Sara-Nussbaum-Haus deutlich. Eltern hatten sich beschwert, dass in der städtischen Einrichtung nicht mehr richtig Weihnachten gefeiert würde - angeblich aus Rücksicht auf die muslimischen Kinder. Wochenlang wurde heftig darüber diskutiert, ob dies der Anfang vom Ende des christlichen Abendlandes sei. Am Ende musste der damalige Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) zur Weihnachtsfeier in das Nussbaum-Haus kommen, um zu unterstreichen, dass Weihnachten auch dort noch ernst genommen wird.

Nikolaus ist Kulturgut

Zwei Jahre später bezweifelt die Kasseler Religionspädagogin Petra Freudenberger-Lötz, dass Nikolaus und Weihnachten in immer weniger Kindergärten gefeiert wird, wie es ihr Kollege Biesinger behauptet. Ob kirchliche oder städtische Einrichtung - auch sie hält es für enorm wichtig, dass man diese Feste nicht ausblendet: "Das ist ein Kulturgut, das alle Kinder kennenlernen sollten. Sie entdecken die Welt und staunen, dass es einen Gott gibt, an den man glauben kann. Dieser Gedanke stiftet Hoffnung."

Zugleich sollte aber auch den Festen anderer Religionen eine Bedeutung beigemessen werden, wenn Kinder dieser Glaubensrichtungen die Einrichtungen besuchten, denn "wir müssen Verständnis füreinander entwickeln: Es gilt, das eigene zu bewahren und die Vielfalt zu schätzen." Pegida-Aktivisten, die schon einen Shitstorm entfachen, wenn in einer Kita mal kein Schweinefleisch auf dem Speiseplan steht, werden das nicht gern hören.

Keine Ausgrenzung von Religion

Wie Biesinger, der der Meinung ist, dass man "Kindern mit der Ausgrenzung von Religion nichts Gutes tut", glaubt Freudenberger-Lötz an die Bedeutung christlicher Traditionen in säkuralisierten Gesellschaften, in denen die Kirchen bis auf Weihnachten und Ostern meist leer bleiben: "Unser Leben ist mehr als wir berechnen können."

Man muss jedoch weder Theologe noch Mathe-Professor sein, um zu prophezeien, dass auch dieses Jahr Eltern irgendwo auf die Barrikaden gehen werden, falls Nikolaus oder Weihnachtsmann nicht in den Kindergarten ihres Nachwuchses kommen.

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