Neue Heimat nach der Flucht aus Syrien

Krieg und Tod entronnen: Flüchtlingsfamilie eröffnet Restaurant in Kassel

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Gegenüber der Martinskirche hat das syrische Restaurant "Ramoosh" eröffnet: Vorne Samah und Sohn Abdul Rahman Al Aghuani, hinten (von links) Abdul Fatah Al Baba, Bachar Al Aghuani und Nazir Saffaf.  

Mit einem Schlauchboot kam Abdul Rahman Al Aghuanis mit seiner Familie über das Mittelmeer nach Deutschland. Nun hat die Flüchtlingsfamilie aus Syrien das Restaurant "Ramoosh" in Kassel eröffnet. 

Die Hände in den Schoß legen ist Abdul Rahman Al Aghuanis Sache nicht. Der 25 Jahre junge Mann aus Syrien ist ein Tausendsassa mit vielen Talenten, großer Lebensfreude und überquellender Energie.

Er studiert an der Uni Kassel Elektrotechnik, engagiert sich bei den Pfadfindern und hat darüber hinaus eine Menge Ehrenämter übernommen. Beispielsweise arbeitete er für die Caritas in der Flüchtlingsunterkunft Park Schönfeld ein Jahr lang in der Fahrradwerkstatt und gab Mathe-Nachhilfeunterricht. Am liebsten widmet er seine Zeit aber seiner Familie.

Hier gibt es seit Neuestem ein besonderes Projekt. Vor ein paar Wochen eröffnete die Flüchtlingsfamilie aus der syrischen Hauptstadt Damaskus in der Kasseler Innenstadt, gegenüber der Martinskirche, ein Speiserestaurant mit Spezialitäten aus Syrien. „Ramoosh – Eine Reise wie nach Syrien“ heißt der romantische Name. Er erinnert an Abdul Rahmans Schwester, die mit ihrem syrischen Mann in Saudi-Arabien lebt. Eltern und Brüder sind weit weg und vermissen sie.

2015 aus Syrien geflüchtet

Die vier Familienmitglieder waren Ende 2015 mit dem großen Flüchtlingsstrom nach Deutschland gekommen. Das ganze Programm vom übervollen Schlauchboot im Mittelmeer bis zum Marsch über den Balkan hat die Familie hinter sich. „Unsere Eltern haben das alles für uns gemacht, um uns eine bessere Zukunft zu bieten“, sagt Abdul Rahman, genannt Abudi. In Damaskus hatte Vater Bachar (50) eine Schuhfabrik mit 150 Angestellten. Die gibt es heute nicht mehr, wie auf Satellitenfotos aus dem Kriegsgebiet zu erkennen ist.

Über Gießen kam die Familie nach Kassel in eine Flüchtlingsunterkunft auf der Marbachshöhe. Schon nach wenigen Tagen spielten Abudi und der fünf Jahre jüngere Ammar (er macht heute Fachabitur an der Max-Eyth-Schule) mit anderen Kindern Fußball. Man lernte schnell eine deutsche Familie kennen. Die wiederum half bei der Wohnungssuche. Es entstand der Kontakt zu Pfarrer Dr. Markus Himmelmann von der Klosterkirche Nordshausen. Es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. „Wir haben hier viele gute Menschen getroffen, denen wir eine Menge verdanken“, sagt Vater Bachar.

Zeitzeugnis: Die Aufnahme zeigt die Familie Al Aghuani auf dem Schlauchboot im Mittelmeer. In der Mitte legt Vater Bachar seinen Arm um die Schultern seines Sohns Ammar, rechts daneben Sohn Abdul Rahmann. 

„Ich vermisse Damaskus, es war eine so schöne Stadt“, sagt Abudi und scheint in den Fotos zu versinken, mit denen eine Wand des Ramoosh liebevoll geschmückt ist. Trotz dieser Sehnsucht ist er ganz klar glücklich gelandet. „Mein erster Eindruck von Deutschland war: Ist das herrlich grün hier!“ Entsprechend gut gefalle ihm Kassel mit den vielen Parks und Grünflächen. Beim Plan der Al Aghuanis, ein Restaurant zu eröffnen, bekamen sie auch Unterstützung von ihren Kasseler Freunden. Schon nach wenigen Wochen ist der Ort zu einem lebendigen Zentrum geworden.

Syrisches Restaurant Kassel

Für das leibliche Wohl nach syrischer Art – mit Falafel, Baba Ganoush (Auberginencreme) und Kibbeh (Fleischbällchen) – sorgen neben Bachar, dessen Schwager Abdul Fatah Al Baba und der syrische Freund und Partner Nazir Saffaf. Und es kocht Mutter Samah (45). „Und dann schmeckt es einfach unvergleichlich gut“, sagt Abudi. „Es gibt nicht viele Restaurants, die diese Traditionsgerichte anbieten“, sagt Abdul Rahman. Und er fügt hinzu: „Was glauben Sie, wie sehr sich vor allem syrische Gäste über die Hausmannskost bei uns freuen.“

Service: Ramoosh, Martinsplatz 6, geöffnet von 10 bis 23 Uhr. Hier finden Sie zudem weitere Nachrichten rund um neue Restaurants in Kassel

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