Das steckt hinter der großen Panik im Netz

Wird Youtube gelöscht? Chefin Wojcicki gießt weiter Öl ins Feuer

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Auf Youtube wird behauptet, die Internetplattform wäre in Gefahr.

„Warum es Youtube nächstes Jahr nicht mehr gibt“ – so heißt ein Video, das auf der Videoplattform für Angst und Schrecken sorgt. Nun legte die Youtube-Chefin sogar noch nach.

Aktualisiert am 13. November um 15.57 Uhr - Während auf Youtube immer mehr Nutzer Angst bekommen, die Plattform könnte 2019 gelöscht werden, gießt Chefin Susan Wojcicki nun noch Öl ins Feuer: In einem Blogpost warnte sie, die potentiellen, finanziellen Verpflichtungen durch die von der EU geplante Urheberrechtsreform könnten zu groß sein. "Kein Unternehmen" könne dieses Risiko tragen. Es gebe beispielsweise Videos wie das Musikvideo "Despacito", bei dem Youtube bis heute nicht alle Rechte habe klären können. Europa würde von solchen Videos, bei denen die Rechtelage nicht eindeutig ist, zukünftig komplett ausgeschlossen werden.

Geschürt wurde die Angst um Youtube zunächst von dem Video „Warum es Youtube nächstes Jahr nicht mehr gibt“: Über 3,7 Millionen Mal wurde es aufgerufen und fast 53.000 Mal kommentiert. Es stammt von dem Kanal Wissenswert und sammelt mit der Panikmache immer mehr Klicks. Es behauptet, die von der EU geplante Urheberrechtsreform wäre hierzulande das Ende von Youtube. 

Was behauptet wird – und was dahinter steckt.

Youtube wird gelöscht: Das zumindest behauptet ein Video

Aktuell sei bei Youtube alles perfekt. Doch „in einigen Monaten werden fast alle Kanäle, die wir kennen, lieben und immer wieder gucken, gelöscht werden. Egal wie groß und beliebt, niemand wird übrig bleiben – bis auf einige Kanäle von sehr großen Firmen“, erklärt eine Männerstimme in dem Video. Der Grund sei ein EU-Gesetz, das noch verhandelt wird. 

Der Artikel 13 des Gesetzes sehe vor, dass in Zukunft alle Websites, auf denen Inhalte wie Text, Foto, Video oder Musik hochgeladen werden können, für ihre Inhalte haftbar gemacht werden. Durch dieses neue Gesetz würden Seiten wie Facebook und Youtube täglich mit hunderttausenden Klagen überschwemmt werden, milliardenschwere Strafen wären die Folge. Youtube bräuchte einen besseren Uploadfilter, allerdings habe die Plattform bereits den besten der Welt. Youtube sei also gezwungen, alle Kanäle, die nicht zu großen Medienunternehmen gehören, zu löschen. „Youtube wird nur noch eine Mediathek sein“, schlussfolgern die Videomacher.

#safeyourinternet – der Lösungsvorschlag im Video

Um dem entgegenzuwirken, sollen Nutzer unter ihre Posts den Hashtag #safeyourinternet setzen und begründen, warum sie gegen den Artikel 13 sind. Sie sollen Abgeordneten Mails schreiben und eine Petition unterzeichnen. Doch ist das wirklich nötig?

Artikel 13 der EU-Urheberrechtsreform

Richtig ist: Die EU arbeitet an einer Reform des Urheberrechts. Künstler und ihre Werke sollen besser geschützt werden. Bisher hafteten die Internetnutzer für die Inhalte, die sie im Internet hochladen. Sollte Artikel 13 der Reform umgesetzt werden, haften in Zukunft stattdessen die Betreiber der Websites, auf denen die Inhalte hochgeladen wurden. 

Das Video des Kanals Wissenswert nimmt direkt Bezug auf einen offenen Brief der Youtube-Chefin Susan Wojcicki. Darin schrieb sie, die geplante Reform könnte Youtube dazu zwingen, nur Inhalte von einer Handvoll großer Unternehmen zuzulassen. Diese Darstellung wird allerdings von vielen Medien in Zweifel gezogen.

Wird Youtube zum Löschen von Kanälen gezwungen?

Die Reform würde Youtube nicht dazu zwingen, alle privaten Kanäle zu löschen, sondern lediglich dazu, die Inhalte auf der Plattform besser zu kontrollieren. Dafür sollen beispielsweise Uploadfilter genutzt werden. Dasding, der Jugendradiosender des Südwestfunks, schreibt: „Für Susan Wojcicki wäre es nun die einfachste Möglichkeit, die Menschen dazu zu bewegen, gegen den Artikel 13 Petition einzulegen. Denn dann muss Youtube nicht haften und auch nichts löschen. Damit würde sich Youtube aber der Verantwortung entziehen.“ Und das Schweizer Nachrichtenportal Watson weist darauf hin, dass Online-Portale in dem Fall, dass die Reform tatsächlich umgesetzt würde, Lizenzen für urheberrechtlich geschütztes Material erwerben könnte – zu Sperrungen müsste es dann gar nicht erst kommen.

Warum dann die Panik?

Auf Youtube funktioniert die Panikmache für die Youtuber derzeit sehr gut: Nicht nur der Kanal Wissenswert, der wöchentlich Infotainment-Videos hochlädt und von den Nutzern Felix und Simon betrieben wird, hat zahlreiche Klicks gesammelt. Auch Nutzer RayFox hat mit „Mein Kanal wird gelöscht! Das Ende von Youtube“ bereits 1 Million Klicks gesammelt, "Mein Kanal wird gelöscht" von Luca ist bei 1,3 Millionen Aufrufen, "Das Ende von Dailyvlogs von Hey Moritz!" bei 250.000 Aufrufen. "Youtube wird gelöscht - Menschen reagieren" wurde über 58.000 Mal angesehen, „Warum Youtube 2019 nicht tot ist“ hat MrWissen2go fast 980.000 Klicks eingebracht und „Youtube geht 2019 unter!“ von Vik ist bereits bei 730.000 Klicks angekommen.

EU-Urheberrecht: Wann wird entschieden?

Noch arbeiten das europäische Parlament, der Rat der EU-Mitgliedstaaten und die EU-Kommission an dem genauen Wortlaut des Gesetzes. Kurz vor den Europawahlen im Mai 2019 soll dann darüber abgestimmt werden.

Fazit: Zukunft von Youtube noch offen

Selbst wenn die Urheberrechts-Reform verabschiedet würde, müsste das nicht das Ende von Youtube bedeuten. Die Plattform könnte, beispielsweise durch bessere Uploadfilter oder den Kauf von Lizenzen, Wege finden, private Kanäle weiterhin zu ermöglichen. Wie Youtube auf die Reform reagieren wird, ist derzeit unklar. Klar ist nur: Würde das Gesetz gekippt, wäre das für Youtube selbst die einfachste Lösung.

Auch interessant: In der Region rund um Kassel und Göttingen gibt es eine Störung bei O2. Hier halten wir Sie über die Arbeiten an einer kaputten Glasfaserleitung auf dem Laufenden. 

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