Weltmeisterschaft in Lüttich

Mittendrin in der WM-Arena: Nordshäuser Radballer pfeift bei Hallenradsport-WM

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Volle Konzentration: Schiedsrichter Andreas Reichenbacher (Mitte, graues Polo-Shirt) pfeift die Partie zwischen Frankreich mit (von links) Quentin und Mathias Seyfried und Belgien mit Niels Dirikx und Brecht Damen.

Bei der Hallenradsport-WM im belgischen Lüttich waren es am Wochenende insgesamt 7500 Zuschauer. Mittendrin war Andreas Reichenbacher vom SV Nordshausen, der als Schiedsrichter die Spiele leitete. Was war denn da los?

Radballer tragen ihre Wettkämpfe meist in kleineren Hallen vor überschaubarer Kulisse aus. Eine Ausnahme bildet jedes Jahr die Hallenradsport-Weltmeisterschaft. 2016 verfolgten 18 000 Zuschauer an drei Tagen die Wettkämpfe der besten Radballer und Kunstradfahrer in der Porsche-Arena in Stuttgart.

„Mein Ziel war es immer, einmal bei einer WM auf der Fläche zu stehen. Als Radballer war ich zu schlecht, als Schiedsrichter hat es jetzt geklappt“, sagt der 41-Jährige schmunzelnd. Er selbst spielte für den SVN viele Jahre in der Bundesliga und geht jetzt noch in der 2. Liga auf Torejagd. Reichenbacher war bei vielen Weltmeisterschaften als Zuschauer dabei. „Es war spannend, es jetzt einmal aus einer anderen Perspektive zu erleben.“ Und zwar mittendrin in der Arena.

Seit 2016 Schiedsrichter auf internationaler Bühne

Seit 2002 pfeift Reichenbacher auf Bundesebene, seit 2016 auf der internationalen Bühne. Nun durfte er erstmals bei der WM ran. „Ich hatte schon Respekt davor“, sagt der Nordshäuser, der bereits im Weltcup und bei Deutschen Meisterschaften Spiele vor größerem Publikum leitete. Aber eine WM ist noch einmal eine andere Hausnummer. Da war es gut, dass die Titelkämpfe am Freitag mit der B-Gruppe begannen. Wie beim Eishockey spielen hier die international zweitklassigen Teams. Alles ist etwas langsamer als in der A-Gruppe.

Das änderte sich am Freitagabend, als die Topnationen in der A-Gruppe ins Turnier starteten. Reichenbacher bekam seinen ersten Einsatz beim 5:3-Sieg der Schweiz gegen Tschechien. Die Ränge in der Arena waren voll. Das Tempo hoch. „Vor der Partie war die Anspannung bei mir groß. Aber wenn das Spiel losgeht, ist es egal, ob ich vor fünf oder 5000 Zuschauer pfeife“, beschreibt er seinen Tunnelblick.

Für die Schiedsrichter, die beim Radball offiziell Kommissäre heißen, war es keine einfache Aufgabe. Bei der Hallenradsport-WM wechseln sich die Sportarten Radball und Kunstradfahren in verschiedenen Blöcken ab. So fanden die ersten Partien im Radball morgens um 8 Uhr statt, der Tag endete am Freitag und Samstag um 22 Uhr, am Sonntag um 17 Uhr. „Es war schon anstrengend. Wenn entscheidende Spiele kommen, ist man bereits zehn Stunden in der Halle“, sagt Reichenbacher, der dieses Gefühl aber von Weltcup-Turnieren kennt.

44 Begegnungen – Spieldauer jeweils 2 x 7 Minuten – mussten die Unparteiischen an den drei Tagen leiten. In jedem Spiel gab es einen Hauptschiedsrichter und zwei Assistenten an der Außenlinie – die Funktionen wechselten von Partie zu Partie.

Das Zusammenspiel mit den Kollegen aus Japan, Tschechien und der Schweiz klappte für die zwei deutschen Schiedsrichter gut. „Es hat Spaß gemacht und auch die Leistungen haben gestimmt“, sagt der 41-Jährige.

Reichenbacher pfeift kleines Finale 

Reichenbacher durfte das kleine Finale pfeifen, das die Schweiz 5:2 gegen Belgien gewann. „Das Spiel um Platz drei zu leiten, ist eine Auszeichnung“, sagt der Nordshäuser. Es war eine Bestätigung für seine guten Leistungen bei der WM. Mehr war nicht möglich. Schließlich stand Deutschland im Finale, unterlag dort Österreich 6:8. Das Endspiel leitete ein Schweizer.

Acht Schiedsrichter, die international pfeifen dürfen, gibt es in Deutschland. Die Chancen, dass Reichenbacher in den nächsten Jahren noch einmal an einer WM teilnimmt, sind nicht schlecht. „Ich würde es sofort wieder machen“, sagt er.

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